International Rare Disease Day 2018 - What about Usher?

27. Februar 2018

Usher Syndrom – gehören Hör- und Sehverlust bald der Vergangenheit an?

Ein Beitrag von Dominique Sturz, Patient Advocate Usher Syndrome & Rare (Eye) Diseases

 

Usher Syndrom – seltene, progrediente, erblich bedingte Erkrankung, die durch kombinierten Hörsehverlust unterschiedlichster Ausprägung je nach Subtyp und Lebensalter bis hin zur Taubblindheit gekennzeichnet ist: Während die Hörstörung bei Usher Syndrom mittels Cochlea Implantat (bei Subtyp 1 von Geburt an und bei Subtyp 2 und 3 nach späterer Ertaubung) schon seit einigen Jahrzehnten sehr gut ausgeglichen werden kann,  wartete man schon lange auf den heiss ersehnten Durchbruch bei den vielversprechenden Therapieansätzen zur Erhaltung des Sehvermögens und zum Aufhalten der drohenden Erblindung.

Nun ist es soweit: Eine neuartige Gentherapie hat alle Stadien der präklinischen Forschung (Tiermodell) und klinischen Studien mit Patienten in Bezug auf  Sicherheit und Wirksamkeit (Phase I bis III) erfolgreich durchlaufen und wurde nun im Dezember 2017 von der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA - Food and Drug Administration) zugelassen. Die Kosten für die Behandlung mit dem Produkt Luxturna der Firma Spark Therapeutics belaufen sich auf 425.00 US Dollar für die einmalige Injektion pro Auge, also insgesamt 850.000. Dieser Betrag schockt momentan und verleitet zu Entrüstung, kennt man die komplexen und kostspieligen Arzneimittelentwicklungsprozesse, die dahinterstehen, könnte sich die Empörung relativieren. Berücksichtigt man darüber hinaus die Ersparnis der Transferkosten im Gesundheits- und Sozialsektor sowie die völlig neue Lebensperspektive für den Patienten bei erfolgreicher Behandlung, wird deutlich, dass die Behandlungskosten wohl vom System getragen werden und keinesfalls dem Patienten angelastet werden sollten. Entsprechende Modelle werden derzeit in den USA ausgearbeitet und werden Vorbild für weitere kostspielig wirkende Behandlungen im Rare Disease Bereich sein, in Europa ist die Zulassung und Vermarktung des Produkts Luxturna samt Entwicklung von Kostenübernahmemodellen ebenfalls in Vorbereitung.

Die neue Therapie zielt auf die Korrektur einer bestimmten Mutation (RPE65 bei LCA – Lebersche congenitale Amaurose) ab, eine gesunde Kopie des mutierten Gens wird unter die Netzhaut mittels Trägersubstanz injiziert und führt nachgewiesenermassen zum Stoppen des Sehverlustes und einer deutlichen Verbesserung der Sehleistung. Sie dient als Modell für die Gentherapie aller erblich bedingten Netzhautdystrophien, wie z.B. RP (Retinopathia pigmentosa), wie sie auch bei Usher Syndrom vorliegt.

Eine Gentherapiestudie zu Usher vom Subtyp 1b (Frankreich, USA) befindet sich übrigens derzeit in Phase I/II, weitere Gentherapiestudien so zu Usher 2a (Exon 13) sind nach der 2017 erfolgten Orphan Drug Designation beginnt gerade mit der Rekrutierung (Niederlande). Der Einsatz von Gentherapie ist in einem frühen oder mittleren Stadium der Erkrankung sinnvoll, wenn noch genügend lebensfähige Sehzellen vorhanden sind.

Hier wird wieder einmal mehr die Schlüsselrolle der Frühdiagnostik mittels Gentest deutlich, welche absolute Voraussetzung für den Zugang zu klinischen Studien und zu Therapie ist. Bei Usher Syndrom erfolgt die Zuweisung zum Gentest im Idealfall durch den mit frühkindlichen Hörstörungen befassten HNO Arzt an den HNO Abteilungen der Universitätskliniken, bei Netzhautdegenerationserkrankungen ohne Hörstörung durch den fachkundigen Netzhautspezialisten der Augenabteilungen ebenfalls an den Universitätskliniken.

Weitere Durchbrüche bei anderen Therapieansätzen wie (Stamm)zelltherapie und Optogenetik demnächst zu erwarten

Der Vorteil dieser Methoden liegt in der vielseitigen Anwendbarkeit unabhängig von der zugrundeliegenden Mutation. Dennoch ist die molekulargenetische Bestätigung der Diagnose Voraussetzung.

Im Bereich Stammzellentherapie für degenerative Netzhauterkrankungen lassen die USA aufhorchen, hier hört man aus Kalifornien von erfolgreichem Injizieren von Netzhautvorläuferzellen, welche aus induzierten pluripotenten Stammzellen in vitro „hergestellt“ wurden, in die Netzhaut mit ebenfalls deutlichen Visusverbeserungen bei Patienten mit RP.

Auch in Frankreich wurde jüngst die „Herstellung“ von sogenannten retinalen Organoiden (Zellverbänden) aus Stammzellen, die aus der Nabelschnur gewonnen wurden, bekannt. Diese sollen in die defekte Netzhaut transplantiert werden und das Sehvermögen wiederherstellen.

Erwähnt sei hier auch die Optogenetik, eine Sonderform der Genetik, wenn man so will, bei welcher andere Zellen der Netzhaut durch genetische Programmierung in lichtempfindliche Zellen „umgewandelt“ werden und die Funktion des Sehens übernehmen können. Sie wird besonders in der Schweiz, in Frankreich und den USA intensiv beforscht und ist am Tiermodell bereits erfolgreich.

Fast täglich ereilen uns fundierte erfreuliche Sensationsmeldungen aus Forschungs- und Wissenschaftskreisen, diese finden sich regelmässig als Einzelposts auf der Facebookseite der Usher Initiative Austria (vormals Usher Syndrome Coalition Forum Austria):

 

Kontakt:

Mag. Dominique Sturz,

Patient Advocate Usher Syndrome & Rare (Eye) Diseases

d.sturz@utanet.at

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